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Später kletter ich wieder ins Tal, quere die Ortschaft Tullau und gehe über einen Feldweg weiter. Als ich in dem Wanderführer nachsehen möchte, wie weit es bis zur nächsten Ortschaft ist, merke ich erschrocken, dass er mir irgendwo aus der Anoraktasche gefallen sein muss. Eine Katastrophe! Sauer auf mich selber kehre ich notgedrungen um, denn ohne dieses Büchlein bin ich aufgeschmissen. Es enthält ja nicht nur die Wegbeschreibung, die dann wichtig wird, wenn die Beschilderung lückenhaft oder nicht eindeutig ist, sondern alle noch folgenden Ortschaften mit Kilometerangaben und Adressen sowie Telefonnummern der Tourismusbüros. Gut einen Kilometer laufe ich zurück und entdecke den Wanderführer völlig durchweicht auf der Straße liegend. Ich bin dankbar, ihn so schnell wieder gefunden zu haben, aber zugleich ärgerlich über die sinnlos vergeudete Kraftanstrengung, und ich hadere mal wieder mit Gott. Musste das denn jetzt auch noch sein? Es gießt wie aus Kübeln. Das Regencape hält nicht, was es verspricht, mein Anorak ist bald durchfeuchtet und meine Haare regelrecht klatschnass. Überhaupt - was bringt diese ganze Wanderung, außer Kraftverlust, Schmerzen und Einsamkeit? So richtig zum Nachdenken komme ich auch nicht. Meine ganze Aufmerksamkeit gilt dem Weg, meinen Füßen und dem Wetter. Stur gehe ich weiter. Da überholt mich auf einem geschotterten Feldweg eine elegante Dame in einem Kombi, hält hundert Meter vor mir, bleibt auf ihrem Platz sitzen und läßt ihren Jagdhund laufen. Als ich an ihr vorbei komme, vergewissere ich mich bei ihr, ob ich auf dem richtigen Weg nach Uttenhofen sei. Wir kommen ins Gespräch, die Dame ist sehr freundlich, und schließlich fragt sie mich: „Eine Wanderin kann man wohl nicht mitnehmen?" Ich bestätige und sage, dass ich es gern allein schaffen wolle. Nach weiterem Geplauder sagt sie: „Ach, kommen Sie, ich bring Sie ins nächste Dorf, dort gibt es eine schöne Bäckerei mit Café, und Sie wärmen sich dort ein wenig auf. Sind doch nur drei Kilometer." Das ist so verlockend und die Dame ist so nett, dass ich schließlich ihr Angebot annehme. Durchnäßt wie ich bin, läßt sie mich auf dem schicken Ledersitz Platz nehmen, pfeift ihren Hund zurück und wir fahren los. Als ich ihr vom Jakobsweg erzähle, sagt sie: „Mein Hund heißt übrigens auch Jakob. Er ist mein Kamerad, seit mein Mann vor sechs Jahren gestorben ist." Wie passend! Der Schutzpatron aller Pilger hat in Hundegestalt dafür gesorgt, dass ich wenig später gemütlich eine Tasse Kaffee schlürfe und eine Weile dem Regen entkomme. Die Bäckereiverkäuferin legt mir mit einem Lächeln eine Tüte neben die Tasse und meint: „Sie wandern doch den Jakobsweg. Für alle Pilger gibt's eine Brezel als Wegzehrung. Mit 'nem schönen Gruß vom Chef!" Ich freue mich und packe sie ein. Man weiß ja nie ...